From the bottom of my heart…


von VIKTORIA





Ich habe sehr lange vor mich hergeschoben, etwas zu dieser kritischen und vor allem sehr seltsam ungewöhnlichen Situation zu sagen. Die Entwicklungen der letzten Tage, ja nicht Wochen, sind rasant und der Geist kommt nicht nach. Kennst du es, wenn du sehr weit reist und am Ziel angekommen spürst du trotz körperlicher Anwesenheit, wie dein Geist noch nachkommen muss? Es braucht Zeit um sich wieder neu zu orientieren, sich wieder mit dem Körper zu vereinen. So läuft es momentan. Während COVID-19 bereits in den entferntesten Gebieten der Erde angekommen ist, braucht mein Geist immer noch Zeit um mit der aktuellen Situation zur Recht zu kommen. Das Schlimme ist, dass wir erst am Anfang einer neuen Ära stehen und können trotz der Prognosen, nur mit den Schultern zucken und mit weit geöffneten Augen in die unbekannte zukünftige Weite schauen. Wie viele werden in dieser Ferne ankommen?


Ich habe mir fest vorgenommen nichts zu dramatisieren, qualifizierte Nachrichten zu verfolgen und Schlüsse bloß aus zuverlässigen Quellen zu ziehen. Doch es gibt eine Seite des Geschehens – persönliche, die kann man schwer wegschieben, und sich davon zu distanzieren ist wesentlich schwerer, als von der ganzen Menschheit für die Prävention. Die Nachrichten von der ganzen Erde erreichen mich täglich auf allen Kanälen. Und sieh da – neben dem Virus und seinen Gefahren gibt es noch eine andere Seite – soziale. Ja, ich sehe (zu Recht) die Besorgnis um den Wirtschaftsstand, als Selbstständige habe ich es sofort erfasst, als all die Yoga Studios zugemacht haben: keine Kurse, Workshops, Ausbildungen, wovon soll man leben? Aber ich komme aus einem Land und einer Vergangenheit mit großer Erfahrung an einem Existenzminimum zu leben. Ich weiß was für Auswirkungen auf sozialer Ebene der Gap zwischen den Wohlhabenden und den Außengruppen hat. Dies macht mir am meisten Sorgen.



Die stornierten Urlaube, wovon ich selbst betroffen war, unerfüllte Träume oder temporär gebrochene Pläne ist nur ein sanfter Beginn. Doch bereits hier zeigen viele ein Ausmaß an Ungeduld und Wut. Dazu kommt, dass jeder erst Schritt für Schritt die COVID-19 Entwicklungen mitbekommt und somit rasten wir nicht gemeinsam aus, sondern immer wieder in Wellen. Je nachdem welche Nachricht wen auf welchem Wege erreicht. Während ich vor ein paar Tagen fassungslos da saß, weder Meditieren noch überhaupt tief atmen konnte, waren ein paar Freunde von mir noch recht unbesorgt und sahen mich als die „verrückte“, die voll zu Drama neigt an. Heute, nach dem ich angefangen habe, mich mit der Situation abzufinden, geschahen im privaten Umfeld der anderen ein paar „Eye Opener“ und schon rasten sie aus. Ich kann leider keine Unterhaltungen mit denen führen. Menschen, die sich als meine Mind-Verbündete, Soulmates und Gleichgesinnte angefühlt haben; Menschen, denen ich vertraute und auf die ich mich verlassen konnte. Sie stoßen ab, verletzen, sie verzerren die Realität und reagieren völlig inadäquat.

Es ist selbstverständlich, dass wir nie mehr zu der Normalität zurückkehren werden, die wir als „Normalität“ früher wahrgenommen haben. Laut RKI werden die Einschränkungen ca. für zwei Jahre bestehen bleiben, außer wenn ein Impfstoff gefunden wird, was nicht vor dem 2021 zu erwarten ist. Also werden wir eine neue „Normalität“ kreieren. Diese Zeit der Isolation ist der beste Weg zur Splittung und es erfordert viel Bewusstsein, viel mehr denn je, dem entgegen zu wirken. Emotionale Intelligenz ist gefragt und die Skills kann jeder entwickeln!



Yoga ist genau darüber – die Einheit wieder zu finden, und nicht nur zwischen dem Körper und dem Geist, worauf es oft reduziert wird, sondern die Einheit mit dem Ganzen zu erfahren. Mitgefühl suchen sich die Buddhisten aus, als den Weg um der Einheit näher zu kommen. In dieser neuen komplexen Zeit, in der Transformation, wo noch kein Zentrum sichtbar ist, um von den räumenden Kräften nicht weg geschleudert zu sein, soll man unbedingt sich immer wieder selbst zentrieren, ein Eigenes Zentrum suchen und dorthin immer wieder zurückkehren. Dort die Ruhe kultivieren, das Vertrauen wachsen lassen und sich davon nähren. Menschen, die sich von der außen Welt unaufhörlich abgelenkt haben, werden jetzt, wo sie gezwungen sind nach innen zu blicken, sich verloren fühlen. Sie werden ihr Inneres erblicken und wer weiß was sie dort finden, denn die meisten kennen sich selbst nicht. Sei gütig zu diesen Menschen. Erlaube diesen Menschen ihre Ängste, Wut und Verzweiflung auszuleben. Das sind die zerrenden Kräfte, die dich demnächst am meisten aus der Bahn werfen werden. Wenn deine geliebten Menschen Gutmütigkeit, Geduld, Mitgefühl, Dankbarkeit und Verzeihung vergessen werden. Wenn deine geliebten Menschen den Platz für die Angst räumen und die Liebe wegschieben werden.



Wenn du glaubst Yoga praktiziert zu haben, dann ist das die Zeit in der du die Früchte deiner Praxis ernten und diese mit anderen teilen darfst. Verletze nicht mit voreiligen Schlüssen und unvorsichtigen Floskeln. Sei wahrhaftig mit anderen, insbesondere mit dir selbst, um möglichst früh dein Handeln in die richtige Richtung zu lenken. Beherrsche dich in deinem Konsum und lerne zu Teilen. Kümmere dich um deinen Körper – halte ihn rein und fit! Übe dich in Zufriedenheit – es ist nicht das Ende der Welt, es ist das Ende der Welt vor COVID-19. Diszipliniere dein Geist – sei dir deiner Gedanken bewusst und lass dich nicht aus deiner Mitte wegwerfen.


VERTRAUE.


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